Association NIBRAS, El Orjane, Marokko

 

Frank Bothmann, der dieses soziale und kulturelle Projekt auch aktiv unterstützt, und ich, haben hier einige Informationen zusammengetragen.

Frank war im Dezember 2015 auch bei Gesprächen beim Gouverneur in Missour anwesend um Redouane und das NIBRAS Projekt zu unterstützen.

 

 

Weshalb NIBRAS gegründet wurde:

 

Die  Commune Rurale El Orjane ist ein Oasendorf mit ca. 3.000 Einwohnern und ca. ca. 6 km von der Provinzstadt Outat El Haj entfernt. Diese lebbhafte Stadt liegt direkt am Oued Molouya. Dieser ca. 530 km lange Fluß führt ganzjährig Wasser aus dem mittleren Atlas und ist die Lebensader für die Oasenbewirtschaftung in der Region.

 

Angebaut werden in der Region überwiegend Oliven. Auch Obst und Gemüse werden hier geerntet. Schaf- und Ziegenherden finden hier ihr Futter. Vereinzelt werden von Familien auch Milchkühe gehalten.

 

Bis vor wenigen Jahren bezogen die Einwohner des Dorfes ihr Trinkwasser aus dem Oued Molouya, was bei den Menschen zu Krankheiten führte. Auch Nutztiere sind teilweise verendet.  Der Trinkwassermangel stellt das größte Problem für die Menschen in diesem Gebiet dar.

 

Redouane, der in Fés und in einigen europäischen Städten Volkswirtschaft studierte. stammt aus einer Nomadenfamilie aus der Region. Vor einigen Jahren kehrte Redouane in sein Dorf zurück.

Auf seinem Grundstück suchte er nach einer Wasserader, die von den nahegelegenen Bergen des Mittleren Atlas gespeist wird. Nach langer Suche wurde Redouane fündig.

Mit einfachsten Werkzeugen begann er über Monate einen Brunnenschacht zu graben. In einer Tiefe von ca. 80 m musste er wegen des harten Gesteins aufgeben. Mit schwerem Gerät wurde noch 40 m tiefer gegraben bis das gesunde und natürlich gefilterte Wasser mittels einer starken Pumpe ans Tageslicht gefördert werden konnte. Der Brunnen wurde mit einer teuren Stahlrohreinfassung abgesichert. Der komplette Brunnernbau  erfolgte mit eigenen finanziellen Mitteln.

Reouanes Ziel war, seinen Tribe (seinen Familienstamm) mit Trinkwasser zu versorgen.

 

Dieses Wasser wird nun in 4 große Kunststoffbehälter gepumpt. Von hier aus werden seit dem Jahr 2010 ca. 400 Familien im Dorf mit bestem Trinkwasser, in einem bestimmten Rhythmus und durch aufwändig verlegte Rohrleitungen, versorgt.

Die 380 V Starkstrompumpe ist ein Energiefresser. Ca. 2.400 Euro kostet nur der Strom im Jahr. Einige Familien sind nicht in der Lage, selbst die anteiligen Energiekosten zu bezahlen.

Die Organisation der Trinkwasserversorgung wurde in 2012 einer Assoziation, also einem Verein übertragen. Leider wurde das Vetrauen missbraucht.

Da der Verein, gemäß den vereinbarten Stauten, nicht ordungsgemäß arbeitete, wurden Gespräche mit der Stadtverwaltung geführt. Das daraus resultierende Ergebnis ist die Gründung der Association NIBRAS.

 

NIBRAS heute:

NIBRAS bedeutet frei übersetzt "Leuchtturm"

 

NIBRAS übernahm die komplette Organsiation der Trinkwasserversorgung für ca. 400 Familien des Dorfes.

Die Vereinsstatuten beinhalten, neben der Trinkwasserversorgung auch kulturelle, edukative und touristische Aktivitäten. Dies ist wohl einmalig in Marokko.

Der Verein beantragte eine weitere Nutzung von ca. 8 ha Land. Dies ist Niemandsland. Seit Ende 2015 ist dieses zusätzliche Land im Kataster eingetragen und kann so für weitere geplante Aktivitäten genutzt werden.

Zusätzlich zu den 8 ha Land hat NIBRAS ganz aktuell nun von der Gemeindeverwaltung die Zusage erhalten, dass weiteres angrenzendes Land für die Aktivitäten genutzt werden kann. Insgesamt steht dadurch ein Terrain von 13 ha zur Verfügung.

 

Ziele des Vereins:

  • Sicherstellung der Trinkwasserversorgung für die Dorfbewohner
  • Aktivitäten bei der Dorfentwicklung, auch aktiv in der Stadt Outat El Haj
  • Kultureller Austausch zwischen Ausländern und Bewohnern
  • Errichtung eines Kindergartens
  • Errichtung einer Vorschule
  • Errichtung einer kleinen Bibliothek
  • Nachhilfeangebote für Kinder
  • Errichtung einer kleinen Praxis in der kleinere Verletzungen versorgt werden können
  • Errichtung eines Campingplatzes mit einem Restaurant und Stellplätzen
  • Aufbau von landestypischen Nomadenzelten, die an Gäste vermietet werden
  • Bau einer Kasbah in der Zimmer gemietet werden können
  • Geführte Touren, auch Offroad, in die nahegelegene Region mit Kontakten zur Bevölkerung

Das sind ehrgeizige Ziele, die erst einmal hohe Investitionskosten verursachen und schrittweise zurückzuführen sind. Das Hauptproblem ist die Finanzierung der Projekte.

NIBRAS muss keine Steuern und keine Einfuhrzölle (für Waren oder Maschinen) bezahlen.

In der Vereinskasse ist sehr wenig Geld vorhanden. Sollte dieses in ferner Zukunft erwirtschaftet werden, wird dieses wieder reinvestiert.

 

Für einige Bewohner des Dorfes oder aus der Umgebung werden so auch Arbeitsplätze geschaffen.

 

NIBRAS ist ein gemeinnütziges Projekt.

 

Es hat  nur eine Zukunft durch die Mitarbeit von Menschen, die dieses Projekt aktiv oder passiv unterstützen, sei es durch die aktive Mitarbeit, durch Aufenthalte und / oder durch Geld- und Sachspenden. Diese fließen zu 100% in das Projekt. Kleiderspenden für die Bewohner sind auch willkommen.

 

Interessierte Menschen aus allen Ländern, die in Marokko als Individualreisende oder Gruppen unterwegs sind, sind hier herzlich willkommen.

 

Angesprochen sind Reisende jeden Alters, die sich mehr für die Menschen, deren Leben und Kultur interessieren und die mit öffentlichen Verkehrsmitteln, mit dem Mietwagen, Zweirädern, Wohnmobilien oder 4x4 Fahrzeugen in Marokko unterwegs sind.

 

Touristen, die den europäischen Komfort nicht missen und verwöhnt werden möchten, Nörgler die sich über jede Kleinigkeit aufregen und sich beschweren, sowie Reisende die in 2 Wochen das herrliche Land komplett sehen möchten, deren zu Hause erstellte Planung und die Uhr ihre Reise bestimmen, werden sich hier nicht wohlfühlen.

 

Die weitere Reise durch das schöne orientalische Land wird entspannter sein und viele Dinge aus einer anderen Perspektive gesehen. Auch von zu Hause aus.

 

Zur touristischen Situation und den Perspektiven

 

In Outat El Haj und in den umliegenden Oasendörfern gibt es derzeit keine touristische Infrastruktur also kein Hotel, Gasthaus oder Campingplatz. Die nächsten Unterkünfte gibt es in einfacher Form in Missour. Größere Hotels in Richtung Süden sind erst in Midelt vorhanden.

 

Outat El Haj liegt nur ca. 3,5 Stunden Fahrt vom Fährhafen Nador entfernt und auf halber Strecke von dort zu den touristischen Ziele am Erg Chebbi und dem Draa-Tal. Uns ist nicht bekannt, ob ab Nador bis Outat El Haj Campingplätze vorhanden sind.

 

Von Fés aus sind es ca. 200 km durch schöne Landschaften zu fahren. Von hier fahren auch Überlandbusse bis nach Outat El Haj.

Daraus ergibt sich erstmal ein gutes Potential.

 

Vom NIBRAS Gelände des geplanten Campingplatztes, der direkt unterhalb des Atlas Moyenne liegt, hat man einen wunderbaren Ausblick auf das Moulouya-Tal. Man sieht die einzelnen Oasen-Dörfer als grüne Inseln im Tal. Auf der anderen Seite des Tales liegt eine große Steinwüste, die mit ihren runden Hügeln im Abendlicht wie eine Dünenlandschaft auf die Augen wirkt.

 

Etwas entfernt und oberhalb des Geländes liegt in 1400 m Höhe die Bergoase Tirness.

In dieses Dorf kann man auf einer Piste, einen längeren Weg auf einer neuen Straße oder auch zu Fuß gelangen und hat einen ebenfalls wunderbaren Ausblick auf das Tal. Interessant ist auch die Anlage der Bergoase, die ein deutlich anderes Klima hat und durch eine aufwändige Bewässerung viele große Oliven-, Feigen- und Obstbäume hat und sehr grün ist. Ein Pfad führt zu den Quellen. Mit diesem Trinkwasser werden auch kleine Getreidemühlen im Dorf betrieben.

 

Die Steinwüste bietet Möglichkeiten für Touren mit dem Fahrzeug, Wanderungen und Übernachtungen in Nomadenzelten.

 

Outat-Oulat El Haj ist ein sehr typisches marokkanisches Provinzstädtchen, das in keiner Weise touristisch geprägt ist. Das hat einen großen Reiz.

Jeden Montag ist ein großer Souk. Hier ist man mittendrin im marokkanischem Leben.

In Outat gibt es eine sehr alte – leider auch sehr verfallene – Kasbah mit historischer Bedeutung. Diese wurde von den Almoraviden gebaut bevor sie nach Marrakech gingen und dort die Stadt aufgebaut haben.

 

Reduoane will sich mit der Assoziation NIBRAS dafür einsetzen, dass die Kasbah zumindest von dem vielen Müll befreit wird und damit auch besichtigt werden kann.

In den Gemäuern dieser Kasbah kann man eine alte Form der Olivenölmühle sehen. Ein Maultier hat in einem dunklen Raum einen großen Mahlstein bewegt, mit dem die Oliven zerkleinert wurden um dann im Nebenraum mit einer mit Muskelkraft bedienten Presse weiterverarbeitet wurden.

 

In El Orjane bietet eine der örtlichen Ölmühlen (eine Kooperative) Olivenöl mit einem Zertifikat für biologisch-organischen Anbau an.

Auf der anderen Seite des Moulouya-Tales liegt Tissaf, ebenfalls eine Oasendorf.

Dort besitzt Bahmed, ein Freund von Reduoane und im Vorstand von NIBRAS, ein großes Haus, das sein Vater und Großvater als Dorfvorsteher gebaut haben. Das Haus ist auf einer Höhe im Dorf und bietet auf dem großen Flachdach einen faszinierenden Rundumblick auf das Moulouya-Tal. Die unmittelbare Nähe zu der Steinwüste, der weite Blick ins Tal bis nach Outat und auch Missour und die hohen Berge des Atlas bieten eine beeindruckende Kulisse.

Diese Haus wird teilweise von der Familie Bahmeds genutzt und soll mittelfristig als Hotel/Unterkunft und mit einem Restaurant entwickelt werden.

Die Idee ist auf dem riesigen Dach Beduinenzelte aufzustellen und dort Übernachtungen anzubieten. Das Haus hat eine einzigartige Architektur, sodass es auch im heißen Sommer im Gebäude sehr kühl ist. Das Haus strahlt eine besondere Energie aus und ist geeignet als Ort für Meditation oder Reiki.

Die zukünftigen touristischen Aktivitäten sollen im Rahmen der Assoziation NIBRAS im großen Netzwerk der Gemeinde bzw. des weiten Familienverbundes entwickelt und umgesetzt werden. Das hat m. E. einen sehr großen Charme weil dadurch viele profitieren werden. Ebenso kann die Assoziation dann weitere soziale und edukative Aktivitäten für die Gemeinde entwickeln.

Gemeinsames Gespräch am 29. April 2016 mit dem Bürgermeister und weiteren Mandatsträgern der Stadt Outat El Haj.

Erste Schritte:

Um die Enegiekosten, der mit Starkstrom betriebenen Wasserpumpe, für die Wasserförderung zu reduzieren, wurde im Februar 2016 in eine Solaranlage zur Stromgewinnung investiert. Ein Teil des dafür benötigten Geldes für diese Anlage stellte Suzanne zur Verfügung.

Da bekanntlich Nachts die Sonne nicht scheint, müssen noch ca. 4 Batterien als Speicher angeschafft werden. Eine Batterie kostet jedoch ca. € 450.-. Das Geld dazu ist leider nicht vorhanden.

 

Der Campingplatz und die Kasbahs

 

Im oberen Teil der Grundstücks soll die touristische Infrastruktur errichtet werden. Diese besteht aus Stellplätzen für Zelte und Fahrzeuge im Rahmen eines Campingplatzes, sowie aus sechs Kasbahs (Lehmhäusern). Hier werden Zimmer eingerichtet.

Weiterhin einem Biwak aus einer Reihe von orignalen Nomadenzelten. Diese sind zum Schutz gegen den Wind mit einer niedrigen Lehmmauer umgeben.

Mittig zu diesen drei Elementen wird ein Restaurant mit der Küche sowie Sanitäranlagen errichtet.

In einer zweiten Ausbaustufe soll der Campingbereich zusätzliche Sanitäranlagen erhalten. Der Campingplatz wird durch umfangreiche Baumpflanzungen gut beschattet werden. Das ganze Gelände wird ebenfalls durch zahlreiche Bäume und Sträucher gegliedert und umsäumt werden.

 

Die Bauweise:

Die Erde ist sehr lehmhaltig und bietet den natürlichen und kostenlosen Baustoff für die ökologischen Lehmhäuser.

Die Erde wird gesiebt, mit Wasser gemischt und anschließend mit Stroh vermischt. Diese lehmige Masse wir in einfache Holzrahmen gegossen. Die herrliche marokkanische Sonne aktiviert den natürlichen Trocknungsprozess.

Ein Lehmziegel hat folgende Maße ca.: L x B x H: 40 x 15 x 10 cm. Bis Mitte März 2016 wurden bereits über 11.000 Lehmziegel hergestellt.

Die getrockneten Lehmziegel werden dann in Verbindung mit dem Lehm-Wassergemsich, für den Bau der Gebäude verwendet.

Ein Tag vor Franks und meiner Abreise, am 1. April 2016, trafen die beiden Starnberger David und Marlene mit ihrer jungen Hündin Arja ein. Die drei sind mit ihrem T4 Syncro zum ersten Mal in Marokko unterwegs.

Hier ihre interessante Homepage:  t4travel.de/   

Hilke, eine gute Bekannte aus Hamburg, die im t4 Forum aktiv ist, machte mich auf die Beiden aufmerksam. Per E-mail nahm ich Kontakt auf und informierte sie über das soziale und kulturelle Projekt.

Vom 31. März bis zum 10. Apil 2016 arbeiteten Beide aktiv mit und fühlten sich recht wohl bei der Großfamilie.

Drisse zeichnete noch ein ein Abschiedsgeschenk auf den T4.

Gemeinsames Abendessen im Haus von Redouane vor unserer Abreise am 1. April 2016.

Das Abschiedsfoto:

Vlnr: Driss aus Fes, aktiv im Vorstand, Marlene, David, Suzanne, Redouane, Bahmed, aktiv im Vorstand, Frank, Thomas, Sohn von Suzanne, und Martin

 

Im Dezember 2015 machten Burkhard, Kerstin, Steffi und Jochen einen Stopp bei Redouane. Hier wurden sie auch über das NIBRAS Projekt informiert.

Das Projekt macht Fortschritte.

Im April 216 wurde damit begonnen eine, durch Mauern windgschützte, Fläche für die Nomadenzelte vorzubereiten.

Mit dem Bau der sanitären Anlagen wurde auch begonnen.

Hier werden die Kasbhas gebaut, in denen Gäste übernachten können.

Das Nibras Team mit dem Gouverneur, rechts,  der Region. Mai 2016 in Outat El-Haj.

Innerhalb von einem Jahr hat sich wieder einiges getan.

Leider verzögern sich, wegen mangelnder finaziellen Mittel, die Baumaßnahmen. Wenn Geld vorhanden ist, wird weiter gebaut.

 

Hier ein Überblick. Stand Januar 2017:

 

Besuch bei Redouane und Suzanne Ende Dezember 2016.

Im Bau.

Das Restaurant und die sanitären Anlagen

 

Der windgeschützte Zeltplatz.

Hier werden noch Nomadenzelte aufgestellt, in denen die Gäste übernachten können.

 

Bau der Kasbah. Hier können Zimmer gemietet werden.

 

Verputzen der Außenmauern des Restaurants.

 

Morgenstimmung.

 

 

 

Fortsetzung folgt.